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"Nähe ohne Respektlosigkeit" - so steht es meisterlich formuliert auf der Website "bergsteigerdoerfer.org". Und das fasst bereits einen Großteil der Philosophie zusammen, der sich die Bergsteigerdörfer verschrieben haben.
BSD Logo Ramsau 4c RGBAuf der Grundlage der Alpenkonvention wurden die Bergsteigerdörfer aus einem Projekt des Österr. Alpenvereins heraus gemeinsam mit den Alpenvereinen in Deutschland, Südtirol, Slowenien und Italien ins Leben gerufen.
Mit einem sanften Alpintourismus will man beweisen, dass genau diese Nähe zur Bergwelt erlebbar sein kann, ohne das Produkt selbst - die intakte Natur - zu zerstören. Als erstes Bergsteigerdorf Deutschlands begeisterte sich Ramsau bei Berchtesgaden für dieses Konzept. Die Kriterien der Bergsteigerdorf-Philosophie deckten sich in großen Teilen mit jenem Anspruch, den man in der 1700-Seelen-Gemeinde ohnehin seit jeher lebte, um die eigene dörfliche Kultur mit der Einnahmequelle Tourismus unter einen Hut zu bringen.

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Foto © Ramsau Tourismus

Fritz Rasp sah in den Kriterien aber nicht nur Verpflichtungen sondern vielmehr eine Art Businesssplan für einen erfolgreichen, nachhaltigen Umgang mit dem kostbaren Gut, dass man hier unweit des Watzmann anbietet: Die alpine Natur. Als Verantwortlicher für das touristische Geschäft steht er seit nunmehr 34 Jahren tagtäglich im Kreuzfeuer aller Interessen der Dorfbevölkerung, um diesen Businessplan erfolgreich umzusetzen. "In letzter Zeit" - so erzählt er mir bei einer 5 km langen Wanderung von Ramsau zum Hintersee - "sind wir damit sogar zu erfolgreich. Der Ausflugstourismus nimmt an manchen Tagen überhand. Wir versuchen mit einer Parkplatzbewirtschaftung gegenzusteuern, aber da eckt man natürlich bei vielen Gästen an. Die wollen zwar unsere ursprüngliche Natur genießen aber am liebsten mit dem Auto dorthin fahren. Diesen Widerspruch in den Köpfen gilt es noch zu knacken." Überhaupt erscheint mir Fritz trotz seines schwierigen Jobs als recht bodenständiger, offener Typ. Taktieren ist nicht seine Sache. Und wenn ihm - vonseiten der Landwirtschaft - vorgeworfen wird, z.b. beim Thema Biodiversität die Meinung der Bauern zu wenig zu berücksichtigen, dann geht ihm das nach. Auch wenn er vom eingeschlagenen Weg nach wie vor überzeugt ist. Nachhaltiger, sanfter Tourismus zeigt sich in Ramsau u.a. daran, dass man das kleine Familienskigebiet mit seiner 50 Jahre alten Infrastruktur (1 Sessellift, zwei Schlepplifte) bewusst nicht ausbaut und erweitert. Der drohenden Stilllegung mangels Rentabilität kam man vor einigen Jahren mit einer Initiative zuvor, bei der die Gemeindebürger die Liftanlagen kauften. Überhaupt ist der Wintertourismus und seine Auswüchse, wie man sie jenseits der Grenze in Salzburg und Tirol kennt, an dem oberbayerischen Dorf ohne Spuren geblieben. Man setzt lieber auf die Sommersaison und bietet dabei für eine kleine aber feine Zielgruppe entsprechende Angebote im und rund um den Nationalpark Berchtesgaden.

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Foto © Ramsau Tourismus

"Und wie ist das nun hier mit dem Echt-sein als Gastgeber? Wieviel ist hier Inszenierung? Wieviel ist echt?" will ich von ihm wissen.  "Tourismus beeinflusst immer die Einheimischen, aber sie haben es selbst in der Hand, das Maß festzulegen", kontert er und fährt fort:  "Die Aufführungen unseres Trachtenvereins beispielsweise werden nicht für die Gäste inszeniert sondern würden auch ohne sie stattfinden. Die Gäste sind halt da und freuen sich darüber. Und die Mitglieder des Vereins lieben es, ihre Kultur darzustellen."Und manchmal brauche es sogar den Anstoß und den Blickwinkel des Außenstehenden um das eigene Produkt wieder schätzen zu lernen. Die Menschen im Dorf sind natürlich Teil des touristischen Produkts - das ist auch Fritz klar. Aber man müsse dabei sich selbst treu bleiben. So ist es auch bei Tracht und Lederhose. Wer sich damit verkleidet, sollte es besser lassen. Wer es als Teil seiner Kultur sieht, darf sie mit Stolz tragen. Und eine hoffentlich immer wachere Gästeschaar wird den Unterschied wohl bemerken, das Echte honorieren und die oberflächliche Show anderenorts meiden. Das verlangt aber auch nach einer speziellen Art der Kommunikation mit der Zielgruppe und einer entsprechenden Aufbereitung der Information. In Ramsau widmet sich die einmal jährlich herausgegebene Bergsteigerdorf Post - ein vierseitiger A3-Folder - immer einem bestimmten Thema. 2018 waren es die bewirtschafteten Almen in der umgebenden Bergwelt. Der Text widmet sich dem überaus wichtigen Beitrag, den die Almbauern zur Bewahrung der Biodiversität leisten. Und weil man weiß, dass der herangereiste Großstädter die Alm nicht als wirtschaftlich-kulturellen Betrieb sondern als touristisches Angebot missdeutet, gibt's auf der Rückseite einen Verhaltensknigge für den Besuch einer solchen: "A Oim is koa Wirtschaft" heißt es da im Einleitungstext zu einigen Illustrationen. Die wirken zwar auf den ersten Blick wie für ein Kinderbuch gemacht. Doch wahrscheinlich braucht die von Bergdoktor-Soaps (und ähnlicher intellektueller Tiefflug-Unterhaltung) verklärte Sicht des Gastes genau diese einfache Sprache.

fritz rasp

Nachhaltiger Tourismus - wie er in Ramsau gelebt wird - ist inzwischen kein exotisches zartes Pflänzchen mehr. Viele Destinationen weltweit haben erkannt, dass der ungehemmte - nur von wirtschaftlicher Gier getriebene - Massentourismus letztlich das Produkt selbst zerstört. Auch die Welttourismusorganisation UNWTO hat dies erkannt und bestärkt ihre Mitglieder im Bestreben um einen sanften Tourismus. Vielleicht hat man sich deshalb bei der Ausrichtung der diesjährigen UNWTO Euro-Asian Mountain Tourism Converence vom 2. bis 5. März bewusst gegen China und andere europäische Alpendestinationen als Austragungsort entschieden und die Konferenz im Berchtesgadener Land abgehalten. Die 300 Konferenzteilnehmer aus 160 Ländern nutzten die Gelegenheit, auch das Bergsteigerdorf Ramsau zu besuchen. Das gab Fritz Rasp und seinem Team die Möglichkeit, ihre Philosophie eines nachhaltigen Tourismus einem internationalen Publikum nahe zu bringen.

Foto ganz oben © Fritz Rasp

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