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Ein "Strizi" bezeichnet in der bayerischen und österreichischen Mundart einen Lausbuben, einen frechen Draufgänger, dem man sein unkonventionelles Lebenskonzept (sofern er überhaupt eines hat) nicht wirklich übel nimmt. Mit dieser Begriffsdefinition vor Augen wollte ich mir die Macher hinter der Marke "Strizi" mal genauer ansehen. Aufmerksam wurde ich auf den Anbieter durch dessen kleinen Laden in der Salzburger Linzergasse. "Alles wird hier in in Österreich und Deutschland gefertigt. Fair, regional und ehrlich produziert." sagte die Verkäuferin damals. Und ich wollte es ihr erst glauben, als sie mir sagte, dass die Protagonisten auf den Prospekten der Marke nicht irgendwelche Models sind sondern eben die Familienmitglieder.

strizi laden salzburg

Vor allem Bernhard Stadler und sein Sohn posieren da als coole Strizis in den Klamotten mit alpenländischen Designzitaten. Die Moderichtung ansich ist nichts neues - unzählige Marken bemühen diese oft eher peinlichen historischen Trachtenanleihen und bedienen eine Zielgruppe, die sich damit fürs Bierzelt und den Urlaub in Österreich verkleidet. Wirklich authentisch wirkt kaum eines dieser "in-die-Berg-simma-alle-guat drauf"-Kostüme. Der Strizi-Auftritt hingegen wirkte auf mich merkwürdig echt. Bernhard, seine Frau Simone und die Kinder spielen ihre Rollen auf den Fotos ausgesprochen professionell. Es sind bis ins kleinste Detail inszenierte Sets, die den Betrachter aber trotzdem in den Bann ziehen, als würde er einer echten Szene aus dem Leben der Stadlers beiwohnen. Kaum glaubt man dies, stört ein ironisch bewusst im Bild platziertes Detail schon wieder diesen Gedanken. Provokation durch Misachtung aller Schubladen und Clichees im Kopf des Betrachters. Das ist ein ziemlich mutiger Ansatz in der Kommunikation und unterscheidet sich dramatisch vom 100%-Clichee-Bedienen all der anderen Anbieter. Und je ernster und cooler sich die Protagonisten auf den Motiven auch geben, desto mehr scheint man ihre innerliche diebische Freude zu erkennen, den Betrachter bei seiner kindlichen "Heile-Welt-Suche" teuflich in die Irre geführt zu haben. Das Wissen, es auf dem Foto sogar mit den echten Menschen hinter der Marke zu tun zu haben, trägt sein Übriges dazu bei. Dann muss man mangels passender vorhandener Schublade im Hirn eine ganz neue eigene Schublade mit der Aufschrift "Strizi" anlegen. Mehr kann man im Marketing kaum erreichen. Das Familienfoto unten ist ein meisterhaftes Beispiel dieser rotzfrechen Provokation:

strizi family
Foto: © Strizi

Es spielt mit der aus alten Fotos des 19. Jahrhunderts bekannten Darstellung der Familienhirarchie. Die Kinder - eingerahmt vom gestrengen Patriarchen und der "weichen" Mutter. Die braven Töchter und der Strizi. Die gute alte Zeit, die eben nicht immer so gut war. Die Lodenjacke zur Leinen-Relaxhose - unvereinbar und deshalb so genial. Das Longboard mit dem Strizi-Branding und das alte Radio. Das traurige Gummibaum-Blatt als Insignie des 1970er-Jahre Spießertums und die Jacky-Flasche als Protest dagegen. Die Aussage ist klar: Nieder mit der heilen "reinrassigen" Trachtenwelt, der Sissi- und K.u.K-Clichees. Wir holen unsere trachtige, historisch gewachsene Kultur ins echte heutige Leben, kombinieren alles mit allem, gestalten damit unseren eigenen Stil und - ganz wichtig - verkleiden uns nicht. Und dann setzt Bernhard mit der Headline noch eins drauf: "Aus Tradition menschlich." Er spielt mit Klischees als wären's Wattekugeln, beginnt den Satz mit dem sofort zum gähnen animierenden Wort "Tradition" und setzt ihm das "menschlich" dazu - so als ginge es um Leben und Tod und nicht nur um "Klamotten". Aber auch mit der Kombination dieser Worte hält er uns den Spiegel vor - Worthülsen, die in unserem Sprachgebrauch kaum mehr Inhalt und Bedeutung haben, lassen uns in ihrer Kombination plötzlich nachdenken. Was will er uns damit sagen? Ich weiß es, aber es soll jeder für sich seine Synapsen bemühen.

Diese optische Provokation in und mit Trachtenthemen ist den Strizi-Machern schon deshalb wichtig, weil Tracht in Österreich leider von der politisch Rechten gerne als Synonym für Heimat-Verbundhenheit und echtes Österreichtum misbraucht wird. Und diesen Bezug wollen die Strizis auf keinen Fall herstellen.

Simone und Bernhard Stadler (beide 40) erfüllen im Gespräch, das ich mit ihnen in ihrem Store in Oberndorf führe überhaupt kein Klischee der Modeszene. Ganz im Gegenheit. Das sitzt ein Ehepaar, dass miteinander durch Höhen und Tiefen gegangen ist und bei dem sich das berufliche Thema "Mode" irgendwie halt ergeben hat. Wobei Simone, die gelernte Schneiderin - klarstellt, dass ihr Mann der Künstler und sie die Familien-Managerin sei. Überhaupt wirken die beiden recht unaufgeregt und es scheint, als würden sie generell nichts strategisch planen sondern alles würde sich irgendwie ergeben. Den Shop in guter Salzburger B-Einkaufslage haben sie auch nicht bewusst gesucht - das ergab sich irgendwie. Und weil das ganze so peu a peu gewachsen ist - vom T-Shirt für die Verwandtschaft bis zum heutigen Sortiment -musste man sich auch nicht in die Klauen einer Bank begeben. Natürlich gibt es diese große Idee, diese Vison von dem wie und was man sein will, aber von Businessplänen und niedergeschriebenen Strategien hält Bernhard zur wenig. "Das kann morgen schon alles Makulatur sein." Man sei eben duch und durch ein Familienbetrieb und will das auch nach außen klar kommunizieren. "Dadurch sind wir alle natürlich auch Teil der Marke", stellt Simone fest. "Models könnten das auch nicht wirklich transportieren." "Und im übrigen" ergänzt sie "macht das die Shootings auch viel einfacher." Der gesamte werbliche Auftritt ist hausgemacht. "Unsere Philosophie könnte eine externe Werbeagentur so auch gar nicht umsetzen" - sind sich beide sicher.

Ist das der Schlüssel, warum die Marke so echt wirkt? Einfach die echten Menschen hinter der Marke vor den Vorhang holen?

Bernhard bringt es auf den Punkt: "Zu allererst musst du ehrlich zu dir selbst sein (das kannte ich schon von meinen vorangegangenen Interviews in Tirol und Bayern). Dann kannst du vertrauensvoll deinem Bauch folgen. Dann braucht dein Auftritt keine Rechtfertigung. Du bist wie du bist." Und weil der Bauch im Spiel ist, hat Ehrlichkeit auch nichts mit Intellekt zu tun. Wahrscheinlich würde sich der Kopf eher von einem vorgegaukelten Auftritt täuschen lassen als der in Magengegend angesiedelte Instinkt.

Und wie empfinden es die Kinder, Teil der Markenkommunikation zu sein? Für den Sohn sei das nie ein Problem gewesen. Er genieße die Shootings (was man auch sieht) und gibt inzwischen auch schon mal Autogramme. Die Töchter hatten hingegen eine Phase, in der sie nicht vor die Kamera wollten. Gefragt wurden die Kinder jedes mal, ob sie für die Fotos zur Verfügung stehen oder nicht.

Mit dem Auftritt der Marke und dem Sortiment selbst wollen die Stadlers aber niemals einem bestimmten an sie gestellten Anspruch gerecht werden. Das wäre der Tod des Echten.

(Und ist für mich auch der Unterschied zwischen Lieferant und Marke. Während der Lieferant seine Zielgruppe fragt, was sie gern hätte und das dann bereitstellt macht der Markenartikler "sein Ding" und präsentiert es dann der Zielgruppe. Die dürfen ihn dann lieben oder sich schleichen. Dazwischen gibt's nichts.)

Ehrlichkeit findet für Simone und Bernhard Stadler auch beim Thema Preis seinen Niederschlag. So gibt es keinerlei Abverkauf, weil sich dadurch die Kunden, die unterm Jahr zum regulären Preis gekauft hätten, ja im Prinzip verarscht vorkommen müssten.

(Leider reicht die Intelligenz des Homo Konsumentus aber noch nicht, dies auch wirklich zu begreifen - weltweit stürmen hirnlose Käufer jeden sich bietenden Ausverkauf - ohne das System einmal zu hinterfragen).

Bei Strizi ist der Preis immer echt und ehrlich. Die Fertigung in Europa kostet ihr Geld und spiegelt sich auch im Preis wieder - trotzdem will man nicht zur Nobelmarke avancieren. Das wiederspräche auch dem Revoluzzer-Charme dieser Marke.

Ich werde die Entwicklung der Strizis aus Oberndorf weiter verfolgen und wünsche ihnen auf jeden Fall viel Erfolg und dass sie sich immer selbst treu bleiben. Hier geht's zur Strizi-Homepage: www.strizi.at

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