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Neben Graffitys sind Paste-ups vorallem in Großstädten heute ein fester Bestandteil der subkulturellen Kommunikation im öffentlichen Raum. In unserem digitalen Zeitalter, in dem jeder noch so bornierte Vollpfosten seine Meinung mit einem Klick in die Welt posaunen kann, erscheint die gute alte Straßenkunst fast nostalgisch und überholt. Heute postet man seinen Protest, indem man einen millionenfach bereits geteilten Inhalt eben noch mal teilt. Was für eine Heldentat. Und was für ein Aufwand. Auch wenn sich Graffity- und Past-up-Künstler mit ihren nicht genehmigten Kunstwerken regelmäßig strafbar machen, verdienen sie - wenn es denn wirklich überlegte Designs sind - meinen Respekt. Denn im Gegensatz zu den Computer-Sesselfurzern und ihren Postings machen sie sich die analoge Mühe, sich a) eine Botschaft zu überlegen (und nicht etwas wiederzukäuen), b) es handwerklich umzusetzen und c) es draußen im Freien - meist bei Nacht und schlechtem Wetter an die Wand und in die Welt zu bringen. Vor allem dann, wenn dadurch eine triste Fassade, eine kalte Betonwand oder eine graue Straßenecke zur Leinwand für Kunst wird. Und dadurch aufgewertet wird.

paste up 01

Paste-up ist ein Begriff aus der Streetartkultur. Mit Kleister wird ein Plakat oder ein größeres Motiv, dass zum Zwecke des unauffälligen Transports in mehrere Teile gekachelt wird, auf eine Wand aufgebracht. Das fällt zwar offiziell unter die Straftatbezeichnung „Sachbeschädigung“. Sofern das Paste-up aber eine ohnehin hässliche Ecke zu einem Ort der Kommunikation macht, für mich akzeptabel. Die Motive selbst werden mit Siebdruck, Schablonen oder Bürodruckern hergestellt.Meistens wird dünnes Papier - oder sogar Zeitungspapier - verwendet, weil der natürliche Zerfall des „Kunstwerks“ durch Witterungseinflüsse ein beabsichtigtes Element ist. Nichts ist für ewig - vorallem nicht Botschaften.

paste up 02

Zu Weltruhm gelangte diese Art der Straßenkunst durch den brittischen Streetartkünstler Banksi, dessen wahre Identität bis vor ein paar Jahren unbekannt war. Seine Werke sind inzwischen Millionen wert und so mancher Hausbesitzer, der einen echten Banksi mit viel Mühe und Putzmittel von seiner Fassade schrubbte, beißt sich heute wahrscheinlich ins verlängerte Rückrad. Ein Klassiker in Banksi’s Werk ist der vermumte Demonstrant der anstatt eines Molotow-Cocktails mit einem Blumenstrauß wirft oder die berühmte Ratte mit ihren sarkastischen Sprüchen. Banksi’s Stil wurde vielfach kopiert und formte eine bestimmte Bildsprache, die sich großteils für friedliche, gesellschaftskritische Themen einsetzte. Inspiriert von ihm und seiner Kunst entstand mit „Ambient Media“ auch eine (leider) kommerzialisierte Spielart der Werbung, die unter dem Begriff „Guerilla Marketing“ subsummiert wird.

paste up 03

Ich konnte mich in europäischen Städten - von Paris über Lissabon bis Wien, Barcelona und Kopenhagen regelmäßig für diese Art der Stadtverschönerung begeistern. So erwachte Anfang 2016 auch bei mir wieder der Wunsch, etwas in dieser Richtung zu realisieren. (Als Jugendlicher hatte ich das letzte mal eine solch öffentliche Botschaft platziert.)
Es sollte ein Motiv gegen Gewalt werden. Das berühmte Filmplakat des Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ inspirierte mich dazu. Der Bösewicht, der im Original von Charles Bronson und seinem schnelleren Colt umgenietet wird, muss bei mir einem kleinen Junden mit seiner Trompete nachgeben. Der bläst ihn mit Musik einfach um. Mit Kunst gegen Gewalt. Ihr seht hier ein paar Bilder von der Realisierung des Motivs. Wo es geklebt wurde, kann ich natürlich nicht verraten.

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